Haar, 6. März 2014
Es muss nicht immer Kaviar sein, ein Wurstbrot tuts manchmal besser: Was mit einem Augenzwinkern auf unsere tägliche Nahrung längst zur gängigen Sparwitz-Floskel geworden ist, trifft auch auf Automobile zu. Warum soll man sich einen teuren Audi Q7 oder BMW X5 kaufen, wenn man beim Koreaner ein ebenso gutes, aber viel preisgünstigeres Mobil mit nahezu den gleichen praktischen Eigenschaften kriegt? An dieser Stelle steht bewusst nicht das Wort “billig”. Die Zeiten, als Hyundais “billig” waren, sind längst vorbei. Spätestens seit VW-Chef Winterkorns unfreiwilliger Werbebotschaft für den Hyundai i30 im wackligen Handy-Kurzfilm (“Da scheppert nix!”) wissen wir, dass die deutsche Konkurrenz schon länger schlaflose Nächte wegen der neuen Qualität aus Fernost hat.
Imposante Erscheinung
Der Hyundai Grand Santa Fe ist so ein Geheimtipp. Mit 4,91 Meter ist der Große 22,5 Zentimeter länger als der Santa Fe, bringt sieben Sitze mit und ersetzt den in Deutschland glücklosen und 2011 eingestellten ix55. Das “Grand” im Namen ist berechtigt, der Koreaner ist eine imposante Erscheinung. Schon allein der riesige Kühlergrill schindet mächtig Eindruck. Getönte Fondscheiben lassen den Riesen geheimnisvoll wirken und zwei gut sichtbare Auspuffenden links und rechts des angedeuteten Diffusors sprechen von Kraft.
Für Entscheidungs-Muffel
Sehr viele Entscheidungen verlangt der Große von seinen Käufern nicht: Es gibt ihn nur mit einem 2,2-Liter-Diesel in Verbindung mit einer Sechsgang-Automatik und variablem Allradantrieb. Als Ausstattungen sind die Linien Style und Premium zu haben. Letztere ist für 50.130 Euro nahezu ein Komplettangebot, das sich nur durch wenige Optionen ergänzen lässt. Mit Metallic-Lack, großem Panorama-Schiebedach und Technik-Paket inklusive adaptivem Fahrlicht und automatischem Parklenkassistenten ist unser Testwagen knapp 53.700 Euro teuer, mehr geht nicht. Da legt man bei BMW für einen Allrad-X5 mit 218-PS-Diesel und nur fünf Sitzen schon 54.700 Euro als Basispreis hin.
Heiz- und kühlbare Sitze
Der Innenraum des Koreaners wirkt nobel und kann es mit der deutschen Konkurrenz aufnehmen. Das Cockpit ist modern gestylt, die Materialien machen einen hochwertigen Eindruck, die Verarbeitung ist gut. Serienmäßig trägt das Gestühl einen Lederbezug. Vorne und in der zweiten Reihe sind die Sessel beheizbar. Wer das erwähnte Technik-Paket für 1.340 Euro ordert, bekommt für die Vordersitze sogar noch eine Sitzkühlung und eine Memoryfunktion mit auf den Weg.
Zusatz-Gestühl wegklappen
In der dritten Reihe heißt es: Willkommen im Klapp! Werden die Zusatzstühle nicht gebraucht, können sie einfach in den Wagenboden gefaltet werden. Das geht mit wenigen Handgriffen und erzeugt im gleichen Atemzug einen großen Kofferraum mit ebenem Boden. Werden die Sitze benötigt und ausgeklappt, schrumpft das Stauraum-Volumen zwar von 634 Liter auf einen von Hyundai nicht bezifferten Wert. Dennoch passen zwei Klappboxen mit dem Wochenendeinkauf noch locker rein. Angenehm überrascht hat uns das Platzangebot in der dritten Sitzreihe: Es ist zwar alles andere als üppig, aber selbst zwei Erwachsene halten es hier schon mal ein paar Kilometer aus, zumal sich dieser Bereich auch separat klimatisieren lässt. Nur um nach hinten zu gelangen, muss man sich ein wenig winden: Die Sitzlehnen in der zweiten Reihe sind klappbar und die Teile der Dreierbank können nach vorn geschoben werden, aber die Lücke zum Durchsteigen ist recht schmal. In der zweiten Reihe gibt’s nichts zu mäkeln, hier ist üppig Platz für Kopf und Knie. Wer die Fondsitze nicht nutzt, kann alles klappen und sich so ein Ladeabteil von 1.842 Liter Größe verschaffen.
197-PS-Diesel reicht völlig aus
Der 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel des Grand Santa Fe liefert 197 PS und treibt das große SUV mit spürbarem Druck an. Die Maschine ist nicht zu laut und bringt den Zweitonner auf alltagstaugliche Fahrleistungen. 10,3 Sekunden braucht der Grand Santa Fe auf Tempo 100, die Spitze ist bei 200 km/h erreicht. Das genügt völlig für einen Siebensitzer dieser Klasse. Um die Kraftübertragung kümmert sich ein Sechsgang-Wandlerautomat. Die Box reagiert bauartbedingt etwas träge auf Kickdown-Befehle, schaltet aber bei normaler Fahrt kaum merklich. Beim Verbrauch zeigt der Santa keine extremen Auffälligkeiten: 7,6 Liter nennt der Hersteller als Schnitt pro 100 Kilometer, wir haben 9,2 Liter gebraucht.
Drei Stufen für die Lenkung
Gut abgestimmt gibt sich das Fahrwerk: Es ist komfortabel ausgelegt und trotzdem straff genug, um die Karosserie auch in schnell gefahrenen Kurven nicht zum Wanken zu bringen. Da verzeihen wir der Dämpfung gern, dass größerer Querrillen schon merklich nach innen übertragen werden. Der große Santa Fe ist mit dem so genannten FlexSteer-System ausgerüstet. Damit können wir per Tastendruck am Lenkrad bestimmen, ob die Lenkung fürs Rangieren leichtgängig eingestellt werden soll, normal agiert oder für schnelle Autobahnfahrt im Sportmodus direkter abgestimmt wird. Die Unterschiede in den einzelnen Modi sind wirklich fühlbar, allerdings liefert das System in jedem Modus nur wenig Feedback von der Straße und wirkt steril. Wir meinen: Der Normalmodus reicht für alle Fahrsituationen aus, auf die Spielerei mit der Taste können wir auch gern verzichten.
Allrad-Verteilung bis zu 50:50
Sicherlich eines der wichtigsten Kaufargumente für den Siebensitzer dürfte sein variabler Allradantrieb sein. Bei normaler Geradeausfahrt auf trockener Straße werden nur die Vorderräder angetrieben. Wenn vorn die Räder anfangen durchzudrehen, wird die Kraft via elektromagnetisch gesteuerter Mehrscheibenkupplung auch auf die Hinterräder geschickt. Das passiert in Sekundenschnelle, wir bekommen davon überhaupt nichts mit. Maximal ist eine Kraftverteilung von 50:50 möglich, das sich per Lock-Taste auch sperren lässt. Ausflüge ins leichte Gelände sind somit kein Problem, der Grand Santa Fe hat sogar einen elektronischen Bergabfahrassistenten, der den Wagen auf steilen Abhängen durch gezielte Bremseingriffe sicher nach unten bringt. Allerdings ist das neben einem Spurverlassenswarner und einem Parklenkassistenten auch das einzige Helferlein dieser Art. Weitere, durchaus klassenübliche Features wie ein Totwinkelwarner oder einen Abstandstempomaten sucht man in der Zubehörliste vergebens.
(hd)
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